Die Spekulation hat bereits begonnen…
Autor: Cornelius Wiedemann
Derzeit sind viele Bürger unserer Stadt durch die Planungen für die Bebauung der Hinteren Insel massiv verunsichert. Einer der schönsten Flecken unserer Stadt und eine der wenigen verbliebenen Freiflächen am Bodenseeufer soll jetzt bebaut werden. Dort, wo jetzt die Gartenschau in bunter Pracht zeigt, wie gut unverbaute, naturnahe Freiflächen der Insel, ihren Bewohnern und ihren Besuchern tun, könnte bald eine großflächige Verbauung mit wuchtigen Flachdachquadern zulässig werden. Die Lindauer haben einen Rahmenplan vorgesetzt bekommen, der eine sogenannte „Blockrandbebauung“, mit „in der Regel“ Flachdachblöcken vorsieht. Kein Wunder, dass damit berechtigte Ängste ausgelöst werden und Diskussionsbedarf besteht! Dass sich nun entschlossene Bürger verschiedenster politischer Strömungen zusammengeschlossen haben unter dem Motto: „Wir müssen reden“, ist eine logische und folgerichtige Konsequenz dieser Entwicklung. Umso erstaunlicher ist, dass gerade die Lindauer SPD, die Begriffe wie Konsens, lösungsorientiert und Gemeinwohl als Schwerpunkte auf ihrer Homepage hervorhebt, nicht reden will. Im Gegenteil: Die SPD-Fraktion überschlägt sich geradezu in schrillen Tönen, indem sie der Bürgerinitiative Hintere Insel „bewusste Falschdarstellung“ und „Schüren von Ängsten“ vorwirft (Bürgerzeitung vom19.06.2021). Dies verdeutlicht in erster Linie eines: Die SPD scheut eine Diskussion und versucht diese zu unterbinden, bevor sie überhaupt in Gang kommt. Gleichzeit erreicht die SPD-Fraktion mit solchen Verunglimpfungen genau das, was sie vorgibt nicht zu wollen, nämlich die Bürgerschaft zu spalten. Mit einem behutsameren und sachlicheren Ton hätte die SPD bessere Voraussetzungen für das dringend nötige „Reden“ schaffen können, sich dabei als ehrliche Maklerin für das Gemeinwohl präsentieren und sich von dem Verdacht befreien können, vor allem Vorteile für ihre Parteigänger im Blick zu haben.
Die städtische Werbung für den Rahmenplan spricht davon, dass eine Bebauung der Hinteren Insel keine eigensüchtige Spekulation auslösen solle. Tatsächlich entzieht aber genau diese Bebauung die betreffenden Flächen der Nutzung durch die Allgemeinheit und überantwortet sie denjenigen, die das Glück haben, dort ein Refugium für sich selbst schaffen zu können. Die Spekulation hat bereits begonnen und die SPD-Fraktion gibt dafür die emotionale Schützenhilfe.
Die Lindauer SPD-Fraktion hätte gut daran getan, es mit Frank-Walter Steinmeier zu halten: Wir müssen wieder lernen, zu streiten - ohne Schaum vor dem Mund - und lernen, unsere Unterschiede auszuhalten.