BIHI – Bürgerinitiative Hintere Insel lehnt Wohnbebauung ab.
Pressemitteilung
Die Lindauer Bürgerinitiative Hintere Insel (BIHI) positioniert sich in der Diskussion um den Rahmenplan der Stadt klar gegen eine Wohnbebauung auf der Hinteren Insel. Sie kritisiert außerdem den Prozess der ersten Bürgerbeteiligungsrunde und wehrt sich gegen den Vorwurf, eine massive Bebauung mit vielen Wohnungen zugunsten einer exklusiven Bebauung für einige wenige Betuchte verhindern zu wollen. „Wir haben immer klar gemacht, dass eine derart massive Bebauung wie im Rahmenplan vorgesehen, den Charakter der Insel zerstört und allenfalls eine deutlich abgemilderte Bebauung in Frage kommt“, erklärt BIHI-Vorsitzender Ulrich Schöffel. Der Rahmenplan ignoriere die Besonderheit der fantastischen Uferlage, entziehe durch die vom See abgeschlossenen Innenhöfe Erholungsraum für alle und stünde durch seine massiven Flachdachquader im Widerspruch zur historischen Altstadt. Die beste Lösung für Lindaus Sonnenstube sei es, komplett auf eine Wohnbebauung zu verzichten. Eine Kommune wie Lindau, die sich als Gartenstadt sieht und damit wirbt, werde mit so einem unbebauten Gelände mit hohem Freizeitwert dem Eigenanspruch deutlich besser gerecht.
Als wichtigen Punkt, der während des Bürgerbeteiligungs-Prozesses vor fünf Jahren unter OB Gerhard Ecker noch nicht konkret absehbar gewesen sei, stellt die BIHI den künftigen Druck auf den Lindauer Wohnungsmarkt infrage. Ulrich Schöffel: „Die Realisierung der Festland-Wohnbauprojekte 4-Linden-Quartier, Oberes Rothenmoos und Bahnhof Reutin Süd werfen die berechtigte Frage auf, ob der Wohnraumbedarf künftig tatsächlich so groß ist, dass Lindaus letztes verbliebenes Filet-Stück dafür geopfert werden muss.“ Anfang Mai seien auf den Seiten der Lindauer GWG 29 Mietwohnungen im Angebot gewesen – davon etwa die Hälfte nicht geförderter Wohnraum, also frei für jedermann anmietbar, bei einem Preisrahmen von zehn bis zwölf Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. „Wenn wir den sich jetzt abzeichnenden demografischen Wandel berücksichtigen, kann ich nicht erkennen, dass es auf der Hinteren Insel zusätzlich 900 Wohnungen braucht“, bekräftigt Schöffel. Eine aktuelle Wohnraumbedarfsanalyse steht noch aus.
Es sei nun der richtige Augenblick gekommen, neu über die Zukunft der Hinteren Insel zu diskutieren. Insbesondere durch die Neuwahlen von Stadtrat und Oberbürgermeisterin hätten sich grundsätzliche Parameter verändert. „Der Wahlsieg von Frau Dr. Claudia Alfons hat sicher auch damit zu tun, dass sie sich im Wahlkampf deutlich gegen die Bebauung im Rahmenplan positioniert hat.“ Sie habe einen nicht unerheblichen Teil ihrer Stimmen von Bürgern erhalten, die das Kleinod Hintere Insel für alle Lindauerinnen und Lindauer bewahren wollten. Diesen Umstand könne man nach den Wahlen nicht ignorieren.
Ein weiteres zentrales Element, das die BIHI in ihrer ablehnenden Haltung bestärkt, sei die ungeklärte und vollkommen offene Verkehrsfrage. „Wir können weit und breit keine Konzepte oder auch nur Ideen erkennen, was die Mobilität der Zukunft angeht“, betont Ulrich Schöffel. Einer Insel, deren verkehrstechnische Kapazitäten auch so schon überbelastet seien, drohe mit bis zu 1800 neuen Bewohner auf der Hinteren Insel der Kollaps. „Zumal die Zukunft des Karl-Bever-Platzes nach wie vor völlig unklar ist“, sagt Schöffel.
Ein Faktor, der während der Bürgerbeteiligung vor fünf Jahren noch gar nicht auf dem Tisch gelegen habe.
„SARS-CoV-2 zwingt die Gesellschaft zum Umdenken, der öffentliche Raum ist wichtiger als je zuvor. Viel Platz auf dem kein enges Gedränge entsteht, wird auch in Zukunft maßgeblich sein. Es sollte uns Lindauern wichtig sein, dass Bürger aller Stadtteile jederzeit die Insel nutzen können und genügend Freifläche da ist, ohne dass es zu einem großen Gedränge kommt. Freiflächen sind in der Stadt der Zukunft das wahre Kapital!“
„Wenn wir uns die Sachlage genauer ansehen, dann sind wir bei den grundsätzlichen Fragen und Argumenten nicht weit weg von dem, was Befürworter des Rahmenplans ins Feld führen“, glaubt Schöffel. Bezahlbaren Wohnraum wolle die BIHI auch – aber durch die Aktivierung vorhandener Potenziale in der Altstadt und vor allem auf dem Festland. Spekulationsprofite und elitäres Wohnen – dagegen sei die BIHI ausdrücklich, was sich durch die komplette Verhinderung von Wohnbebauung am besten umsetzen lasse. Mehrwert für alle sei ebenfalls ein zentrales Anliegen der Bürgerinitiative. Auch das Ansinnen, die Altstadt über die Bahnlinien zur Hinteren Insel hin fortzuentwickeln, sei nichts, wogegen sich die BIHI stelle – „nur glauben wir eben, dass das mit einem großen Parkbereich besser funktioniert, als mit einer massiven Klotzbebauung“, argumentiert Schöffel. Womit die Themen Naturschutz und Nachhaltigkeit ganz automatisch verwirklicht würden, denn: „Statt der großflächigen Versiegelung weiter Teile der Hinteren Insel kann in unserer Vision ein Areal entstehen, das die Idee der Gartenschau als Dauerkonzept weiterträgt“, glaubt Schöffel. „Für ein wertvolles Stück Lindau, das tatsächlich und wirklich allen gehört.“